Antibiotika - eine Einführung

Antibiotika

Abbildung 1: blau = körpereigene Freßzelle; grün = Lymphozyten; rot = rotes Blutkörperchen; gelb = E. coli (Bakterien), die in den "Fängen" der Freßzelle gefangen sind

Bakterien sind einzellige Kleinstlebewesen (Größenordnung: 0,3 - 5 µm) mit eigenem Stoffwechsel - im Gegensatz zu Viren - und allen Kriterien, die das " Leben" ausmachen. Sie haben die unterschiedlichsten Formen (Kokken, Stäbchen), vermehren sich durch ungeschlechtliche Zellteilung, bevölkern alle (nichtsterilen) Oberflächen - wo sich ihnen gerade gute Lebensbedingungen bieten - und kommen auch bei uns auf der Haut und allen Schleimhäuten vor. Diese letzteren Keime sind uns alle bestens bekannt, und sie sind für uns meist nicht gefährlich, wenn unser Immunsystem in Ordnung ist. Wenn unser Immunsystem geschwächt ist (durch physischen und/ oder psychischen Streß), dann kann es sein, daß nicht nur die für uns gefährlichen, sondern auch die o.g. relativ ungefährlichen Keime Infektionen auslösen können, meist durch bestimmte Stoffe (Toxine), die sie produzieren. Die Folge ist, daß unsere körpereigenen Abwehrkräfte überschießend stimuliert werden, und das kriegen wir dann in Form von erhöhter Körpertemperatur, evtl. Eiterbildung, geschwollenen Lymphdrüsen und anderen Anzeichen einer entzündlichen Erkrankung zu spüren. Das ist dann der Zeitpunkt, wo wir den Arzt aufsuchen (sollten!) und meist neben sonstigen Arzneimitteln auch ein Antibiotikum verschrieben bekommen.

Geschichtliches

Als der Arzt Alexander Fleming ( * 06. 08. 1881- † 11. 03. 1955) 1928 das Penicillin entdeckte, ahnte noch niemand, welch weitreichende Bedeutung das für die Menschheit hatte. Er hatte beobachtet, dass sich auf einer seiner Zuchtschalen mit bestimmten Keimen ( Staphylokokken) eine Schimmelpilz-kolonie angesiedelt hatte (die Sporen kommen überall - auch in der Luft - vor), durch die die Bakterien aufgelöst, also abgetötet wurden. Penicillin ist ein Stoff, der im Schimmelpilz mit dem Namen "Penicillum notatum" vorkommt.

Sein Bericht über diese Entdeckung, der 1929 folgte, blieb relativ unbemerkt.

Da es sehr schwierig war, Penicillin aus Schimmelpilzen zu gewinnen, konnte er in der Folgezeit nur einige wenige Tierversuche machen, sowie nur eine geringe Anzahl Menschen behandeln. Dabei stellte er fest, daß das Penicillin nicht gegen alle Bakterien wirkte, eine Beobachtung, die bis zum heutigen Tag eine große Bedeutung hat (s.u.).

Erst im Schatten des zweiten Weltkrieges wurde man auf Flemings Entdeckung aufmerksam. Jetzt machte man mehrere klinische Versuche, und es kam vor, daß das Penicillin aus dem Urin wiedergewonnen werden mußte, da die Reserven knapp waren. Bis 1944: da setzte die großtechnische Produktion des Antibiotikums ein.

In diesem Jahr wurde Fleming als Anerkennung für seine Entdeckung geadelt und konnte sich seitdem Sir Alexander Fleming nennen. Ein Jahr später erhielt er den Nobelpreis "für die Entdeckung des Penicillins und seiner heilenden Wirkung bei verschiedenen Infektionskrankheiten".

Penicillin ist also ein Naturprodukt wie zahlreiche andere Antibiotika. Und einige Antibiotika sind auch irgendwann einmal aus der Natur abgeschaut worden und vom Menschen abgewandelt worden, um die Wirkung zu verbessern.

Allgemeines:

Wie schon Fleming festgestellt hat, wirkt Penicillin nicht bei allen Bakterien. Das hat a) etwas mit dem unterschiedlichen Aufbau der Bakterien zu tun (der ist artenabhängig) und auch b) etwas damit zu tun, daß bei einigen Bakterien einer Bakterienart, bei denen das Antibiotikum sonst gewirkt hat und nun plötzlich nicht mehr wirkt, eine " Immunität" oder besser Resistenz entstanden ist. Das kommt nicht nur beim Penicillin, sondern bei allen anderen seitdem ge- und erfundenen, verschiedenartigen Antibiotika, die die unterschiedlichsten Wirkungsmechanismen haben, vor. Und das ist das Problem unserer Zeit und das der Antibiotikatherapie. Wir brauchen immer schneller neue Antibiotika, weil die Resistenzen immer mehr zunehmen. Das Problem liegt darin, daß heute sehr schnell zu Antibiotika gegriffen wird, auch wenn gar keine nötig sind. Das gibt den Keimen die Gelegenheit, sich durch häufigen Kontakt mit den Antibiotika besser gegen diese wappnen zu können (welche verschiedenen Mechanismen hier angreifen, soll an dieser Stelle nicht erwähnt werden).

Andererseits ist es das Problem des Arztes, daß er in den meisten Fällen schnell therapieren muß und das Ergebnis eines mikrobiologischen Testes nicht abwarten kann. Mit solchen Tests kann man heutzutage nicht nur herausfinden, ob es sich um ein Bakterium handelt, sondern auch die Art des krankheitserregenden Bakteriums bestimmen und das Antibiotikum, auf das es anspricht, bestimmen. Das Problem ist, daß man einen Abstrich machen muß und die Erreger erst kultivieren ( d.h. heranwachsen lassen) muß. Und das benötigt Zeit. Außerdem ist diese Bestimmungsmethode sehr aufwendig und kostenintensiv, daher ersetzen sie die gesetzliche Krankenkassen nicht! Glücklicherweise sind dem Arzt aber für jedes Krankheitsbild einer (möglicherweise) bakteriellen Infektion die Keime bekannt, die die Auslöser sein könnten. Man kann sie auch für jede Infektionsart nach der Häufigkeit, mit der sie auftreten, einteilen.

Kurz: der Arzt weiß, um welche Keime es sich handeln könnte und therapiert darauf hin - wie man sieht, in den allermeisten Fällen mit Erfolg. Sollte einmal ein Antibiotikum nicht helfen, so muß der Arzt entscheiden, welche anderen Keime, die damit nicht abgetötet worden sind, in Frage kommen und diese dann mit einem anderem Mittel ( Antibiotikum) behandeln. Oder er ergreift andere Maßnahmen. So weit kommt es jedoch nur selten.

Bei der Behandlung mit Antibiotika ist es wichtig, daß ausreichend hoch und lange dosiert wird. Darauf sollte man immer achten!

Anmerkung: gegen viruelle Infektionen helfen Antibiotika nur in den seltensten Fällen. (Es gibt einige Antibiotika, die auch auf Viren eine Wirkung zeigen.)

Es kann also sein, daß Ihnen der Arzt nicht unbedingt bei jeder Infektion ein Antibiotikum verschreibt.

Muß ich vor der Antibiotika - Einnahme Angst haben?

Vor der oralen Einnahme gebräuchlicher Antibiotika muß man keine Vorbehalte haben, da 1. ihre Wirkungen und Nebenwirkungen gut bekannt sind, sie also gut ausgetestet sind, und sie 2. in den meisten Fällen gut verträglich sind (wenn Gegenanzeigen beachtet werden!). Bei bakteriellen Infektionen sind sie notwendig und unerreicht in der Wirkung, wenn man bedenkt, daß vor noch nicht 100 Jahren tausende Menschen an bakteriellen Infektionen gestorben sind, an denen heute keiner mehr sterben muß!

Allgemeine Nebenwirkungen von Antibiotika können sein: I) Allergie auf ein bestimmtes oder eine Gruppe von Antibiotika und II) antibiotikabedingter Durchfall, was aber nicht mit einer Wirkung des Antibiotikums auf den eigenen Körper zu tun hat, sondern mit seiner Wirkung auf die an der Verdauung beteiligt Bakterien, die unseren Magen und den Darm besiedeln.

Neben diesen allgemeinen gibt es auch noch Nebenwirkungen, die für eine Antibiotikaklasse oder nur einen Stoff typisch sind. Auch diese sind gut bekannt.

Wenn Sie fragen dazu haben, sprechen Sie uns an oder mailen sie uns: info@apotheke-moers.de. Wir beraten Sie gerne.

Einige Antibiotika dürfen zudem nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit und von heranwachsenden Kindern genommen werden. Aber, wie gesagt, diese Fakten sind alle bekannt und beherrschbar.

Deswegen sollte man ein Antibiotikum, wenn es der Arzt für nötig erachtet, unbedingt einnehmen

- lange genug und in ausreichender Menge!

Unsere Empfehlung:

Wie man den obigen Ausführungen entnehmen kann, ist es bei Infektionen, denen der Organismus nicht Herr wird, unablässig, den Arzt Ihres Vertrauens aufzusuchen. Wann Sie gehen, ist also eine subjektive Entscheidung und unterliegt der persönlichen Eigenverantwortung. Der Arzt entscheidet dann, ob es sich um eine bakterielle oder viruelle Erkrankung handelt ( wichtig, um die Resistenz-bildung nicht unnötig voranzutreiben) und bestimmt die Therapie. Wenn Sie ein Antibiotikum verschrieben bekommen, ist es wichtig, daß Sie es lange genug und ausreichend hoch dosiert nehmen. Sie sollten auch den Arzt zur Therapieüberwachung, wenn er es Ihnen nahelegt, in dem von ihm genannten Zeitrahmen wieder aufsuchen.

Wenn schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten sollten, was ganz selten nur der Fall ist, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Arzt. Er wird die nötigen Maßnahmen einleiten.

Ansonsten stehen wir Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung! Wenden Sie sich persönlich in der Apotheke an uns, rufen Sie uns an unter 02841 / 61055, faxen Sie uns unter 02841 / 61058 oder schicken Sie uns eine E- Mail. Wirfreuen uns, Ihnen behilflich sein zu können.

I. Gnisa für die Ahorn - Apotheke

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